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Laudatio Auszeichnung Deutscher Architekturpreis 2013

 

Die Vereinbarung von Einpassung und Zeitgenossenschaft war „Pflicht“ bei dieser Bauaufgabe. Der Balanceakt ist den Architekten mit Bravour gelungen! Überzeugend ist, wie durch das Auswägen der äußeren Ansprüche – quasi nebenbei – im Zusammenspiel mit dem unmittelbaren Umfeld außergewöhnliche Raumqualitäten geschaffen wurden. Diese zeigen sich an vielen Stellen. So ist das in die historische Straßenflucht eingefügte Volumen aufgrund der Abstände zur Bestandsbebauung als moderner Solitär wahrnehmbar. Gleichzeitig sorgen die Fugen für eine natürliche Belichtung der Arbeitsplätze und einen Ausblick zu allen Seiten.

Der Kontext des Gebäudes wurde nicht nur morphologisch, sondern auch tektonisch neu interpretiert. Mit der Übersetzung des Holzfachwerks in eine Stahlbetonkonstruktion fallen gestern und heute überraschend in eins. Der Nebeneffekt hier sind sehr überzeugende loftähnliche Räumlichkeiten mit innenräumlicher Flexibilität.

Auf der nächsten Maßstabsebene kann das Gewebe der vorgesetzten filigranen Stahlstruktur mit Bezug auf die einst geflochtenen Füllungen der Fachwerke als Zitat gelesen werden. Auch diese Neuinterpretation dient der Nutzbarkeit des Gebäudes: Das Flechtwerk schränkt die unmittelbare Einsehbarkeit ein, erlaubt aber den Blick nach außen. Auf diese Weise schafft das Gebäude neue Qualitäten.

 

Die „Kür“ der Bauaufgabe bestand darin der Kulturstiftung des Bundes ein architektonisches Gesicht zu geben. Der Ausdruck einer „kultur- und kunstfördernden Institution mit der Zielsetzung der Förderung innovativer Programme“ kann nicht einem bestimmten Stil oder einer ästhetischen Präferenz folgen, sondern muss immer wieder neue Interpretationen erlauben.

Genau dieses gelingt den Architekten, in dem sie Spezifika der Aufgabe analysieren, abstrahieren und zu einer freien Raumstruktur neu synthetisieren.

Besser kann sich die Kulturstiftung nicht präsentieren!

 

Kurzum, das Gebäude ist eine Bereicherung der Stadt Halle und der deutschen Architekturlandschaft insgesamt. Hier ist durch eine konzeptuelle Herangehensweise außergewöhnliche Architektur gelungen.

 

Sabine Müller, 12. Juni 2013 in Berlin

 

 

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